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Besuchsrecht

In der Schweiz werden die Kontakte, welche das Kind mit demjenigen Elternteil unterhält, bei dem es nicht hauptsächlich wohnt (häufig der Vater), unter der etwas unglücklichen Bezeichnung „Besuchsrecht“ zusammengefasst, obwohl es dabei ja um viel mehr als um „Besuche“ geht.

Kinder haben ein Recht auf eine regelmässige Beziehung mit beiden Eltern. Umgekehrt haben Eltern ein Recht auf – und die Pflicht zu – einer regelmässigen Beziehung mit ihrem Kind. Unter dem viel zu kurz greifenden rechtlichen Begriff „Besuchsrecht“ werden dabei alle regelmäßigen persönlichen Begegnungen sowie alle Formen von indirektem Kontakt (e-mails, SMS, Briefe, soziale Netzwerke, usw.)  verstanden.

Das Besuchsrecht dient dem Ziel, einem Kind auch nach einer Trennung / Scheidung das Gefühl zu geben, Teil einer Familie zu sein. Durch den Kontakt mit dem Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, soll es erfahren, dass auch der andere Elternteil für es da ist und sich um es sorgt. Das Besuchsrecht kann deshalb nur eingeschränkt oder ausgeschlossen werden, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist.

Das Recht auf eine regelmässige Beziehung haben in der Regel alle Eltern, egal welche Staatsangehörigkeit und welchen Aufenthaltsstatus sie haben. Großeltern und Geschwister des Kindes sowie enge Bezugspersonen des Kindes, die für das Kind tatsächliche Verantwortung tragen oder getragen haben, haben in der Schweiz jedoch nicht von Rechts wegen ein Besuchsrecht.

Leben das Kind und der besuchsberechtigte Elternteil in verschiedenen Staaten, ist die Ausübung des Besuchsrechts häufig schwierig. Zieht ein Elternteil in ein anderes Land, passt die bisher praktizierte Besuchsrechtsregelung vielleicht nicht mehr. Dann müssen neue, andere Absprachen getroffen werden, dürften telefonische oder Kontakte per Skype, aber auch die Ferien und Feiertage häufig eine größere Bedeutung erlangen. Nachfolgend erfahren Sie mehr über die Handlungsmöglichkeiten bei Problemen mit dem Besuchsrecht.

Mögliche Anlaufstellen, wenn das Kind in der Schweiz lebt

Hat das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz, können sich Eltern an die Kindessschutzbehörde, das Jugendamt oder an Beratungsstellen wenden und sich dort beraten lassen. Auch Eltern, die im Ausland leben, haben dieses Recht.

Durchsetzung von Besuchsrechten im Ausland

Lebt das Kind im Ausland, haben die Eltern verschiedene Möglichkeiten, die im Einzelnen besprochen und im Hinblick auf ihre Vor- und Nachteile – insbesondere in Bezug auf das betroffene Kind – erörtert werden sollten. Werden Gerichte und Behörden eingeschaltet, kann dies eine Situation klären und entscheiden, es kann aber einen Konflikt auch verschärfen und dies kann zu Lasten des Kindes gehen.

Eine aussergerichtliche Einigung

... kann und sollte immer versucht werden. Ob ein Familienmitglied, ein Schlichter, ein Mediator oder eine sonstige Autorität einbezogen wird, hängt von den Besonderheiten des Einzelfalls ab. Gerne überlegen wir zusammen mit den Eltern, wie sie vorgehen können.

Gerichtsverfahren im Ausland

Viele Eltern können sich nicht vorstellen, im Ausland zu klagen. Sie fürchten hohe Kosten und Benachteiligung in einem fremden Staat. Manchmal ist eine Klage aber unvermeidlich.

Es gibt einige internationale Rechtsvorschriften, die das Besuchsrecht in einem anderen Land behandeln. Das Haager Kindesentführungsübereinkommen macht es möglich, dass ein Elternteil jederzeit in einem der Vertragsstaaten auf Einhaltung seines Besuchsrechts klagen kann. Auch andere internationale Rechtsvorschriften können Anwendung finden, z.B. das Haager Kinderschutzübereinkommen oder das Europäische Sorgerechtsübereinkommen. Sie enthalten Vorschriften zum einzuhaltenden Verfahren, zur Zuständigkeit der Behörden eines Landes sowie zur Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen.

Bereits bestehende Besuchsrechtsregelungen

... bleiben nach einem Umzug ins Ausland grundsätzlich gültig. Der wegziehende Elternteil wird in aller Regel nicht erfolgreich sein, wenn er etwas anderes behauptet. Ein Umzug hat allerdings andere, handfeste Auswirkungen. So ist die z.B. in der Schweiz häufige Regelung, sein Kind jedes zweite Wochenende und wöchentlich einen Tag zu sehen, auf große Entfernung nicht möglich. Zum anderen muss geprüft werden, wie eine Regelung im Ausland durchgesetzt werden kann, bzw. ob sie angepasst werden muss. Auch hier können die oben erwähnten internationalen Rechtsvorschriften Anwendung finden.

Weitere Auskünfte kann neben dem Internationalen Sozialdienst die Zentrale Behörde in Bern erteilen, bei der auch entsprechende Anträge gestellt werden können.

Durchsetzung von Besuchsrechten in der Schweiz

Lebt ein Elternteil im Ausland und möchte Kontakt zu seinem in der Schweiz lebenden Kind haben, gilt in der Regel das oben gesagte. Er sollte sich erkundigen, welche internationalen Rechtsvorschriften für seinen Staat im Verhältnis zur Schweiz gelten. Entsprechende Auskünfte kann ggf. auch der Arbeitspartner des Internationalen Sozialdienstes in diesem Staat erteilen.

Entscheidet sich dieser Elternteil, über die Zentrale Behörde seines Staates tätig zu werden, so wird die schweizerische Zentrale Behörde einen Rechtsanwalt beauftragen, der seine Interessen vor einem schweizerischen Gericht vertritt.

Möchten oder müssen Eltern aber direkt vor einem schweizerischen Gericht auf die Gewährung von Besuchsrechten oder deren Durchsetzung klagen, empfiehlt es sich, einen Anwalt einzuschalten.

Einzelheiten, auch hinsichtlich eventuell anfallender Kosten, teilen wir Ihnen gerne mit.