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Mediation

Mediation ist ein Verfahren zur vor- und aussergerichtlichen Konfliktbewältigung. Der Begriff ‚Mediation‘ ist rechtlich nicht geschützt und je nach Kultur kann unter Mediation etwas anderes verstanden werden.

Mediation in der Schweiz

In einer Mediation werden die Parteien von ausgebildeten, erfahrenen Mediator/-innen  begleitet und unterstützt. Ziel des Verfahrens ist es, eine einvernehmliche, faire und wenn möglich rechtsverbindliche Lösung zu finden. Wichtig ist, dass die Lösung nicht von Dritten (Gerichten, Anwält/-innen oder Mediator/-innen) kommt, sondern von den Betroffenen selbst (mit Unterstützung der Mediator/-innen) ausgearbeitet wird.

Das Mediationsverfahren beruht  auf Freiwilligkeit und findet in einem vertraulichen Rahmen statt. Die Mediationsparteien sollen die strittigen Punkte offen diskutieren können, ohne dabei Nachteile befürchten zu müssen. Das setzt ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mediand/-innen und der Mediatorin/dem Mediator voraus. Die Fachleute sind zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet, allfällige Informationen dürfen nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Mediand/-innen weitergegeben werden, und die Mediator/-innen dürfen auch  nicht als Zeugen vor Gericht aufgerufen werden.

Weshalb Mediation?

Da die internationalen Kinderschutzübereinkommen (MSÜ 1961, HKÜ1980, KSÜ 1996) nicht in allen Ländern der Welt Anwendung finden und auch in den Vertragsstaaten nicht immer zufriedenstellend funktionieren , also nicht in jedem internationalen Kindschaftskonflikt auf einen gemeinsamen rechtlichen Rahmen zurückgegriffen werden kann, braucht es andere Mittel der Konfliktlösung – Mediation ist dazu bestens geeignet. Nicht nur, weil nach einvernehmlichen Lösungen gesucht werden – auch, weil Mediation in vielen Kulturen als bewährtes (wenn auch z.T. unterschiedlich angewandtes) Verfahren zur Konfliktbewältigung verankert ist.

Im Rahmen der Mediation wird das Gespräch wieder aufgenommen, neue Möglichkeiten können überprüft und verhandelt werden.

Mediation in einem Familienkonflikt

In einer Trennungssituation werden Sie als Eltern von den Familienmediator/-innen insbesondere in Bezug auf folgende Punkte unterstützt:

  • Auflösung der Beziehung auf der Paarebene, ohne Verlust der Mutter- oder Vaterrolle – denn: Ihr Kind braucht auch nach der Trennung beide Eltern
  • Ihr Kind soll nicht unter Ihrer Trennung leiden – seine Bedürfnisse werden bei der einer Mediation deshalb ins Zentrum gestellt
  • Sie als Vater/Mutter sollen auch an wichtigen Momenten im Leben Ihres Kindes auch nach der Trennung teilhaben können
  • Die Familienmediator/-innen unterstützen Sie beim Ausarbeiten von fairen Lösungen und bei der Gestaltung von lebbaren Besuchsrechts- und Kontaktregeln
  • Falls von beiden Eltern gewünscht, können bei der Mediation auch Kulturvermittler/-innen oder andere Fachpersonen beigezogen werden
  • Grosseltern oder andere Familienangehörige, die im Leben Ihres Kindes eine wichtige Rolle spielen, können ebenfalls miteinbezogen werden und auch
  • die Kinder selbst können – sofern sie dies wünschen und ein gewisses Alter haben – punktuell aktiv am Mediationsprozess teilhaben
  • Wenn dies nicht möglich ist, können Sie selbst weitere Punkte, die Ihnen in der Erziehung ihres Sohnes oder Ihrer Tochter besonders wichtig sind, ins Mediationsverfahren einbringen

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Was kann die Mediation für Ihr Kind bringen?  

In der Regel kann eine Mediation rascher als ein Gerichtsverfahren zu einer Lösung beitragen, was im Interesse des Kindes ist. Das Kind erlebt konkret, dass seine Eltern trotz ihrer Trennung immer noch miteinander kommunizieren können und sich gemeinsam um sein Wohlergehen kümmern.

Welchen Platz hat das Kind in der Mediation?  

Das Kind kann auf mehrere Arten direkt oder indirekt in die Mediation einbezogen werden: direkt, indem es in einem individuellen Gespräch mit dem Mediator oder in Gegenwart des Mediators und der Eltern seine Sichtweise einbringen kann. Indirekte Möglichkeiten bestehen auch im Einbezug einer Kinderpsychologin, die dann wiederum das Erleben des Kindes stellvertretend in die Mediation einfliessen lassen kann. Ebenfalls wird die Mediatorin selbst während der Mediation immer wieder auf das Kind und seine Interessen hinweisen und ihm so einen wichtigen symbolischen Platz einräumen.

Unsere Erfahrungen mit Mediation

Mediation als Raum zur direkten elterlichen Kommunikation ist gemäss unserer Erfahrung fast immer ein Gewinn für die betroffenen Kinder und ihre Eltern. Mediation hat dann am meisten Chancen auf Erfolg, wenn sie frühzeitig, d.h. bevor der Konflikt eskaliert und schon ein langwieriges Gerichtsverfahren hängig ist, angefangen wird.

Besonderheiten der Mediation bei internationalen Kindsentführungen?

Mehrere Faktoren machen Mediationen bei internationalen Kindsentführungen besonders komplex: die rechtlichen Rahmenbedingungen werden in der Regel kompliziert durch konkurrierende Rechtssysteme und übergeordnetes internationales Recht. Ausserdem muss aufgrund der geografhischen Distanz zwischen den Eltern teilweise auf virtuelle Gesprächsplattformen zurückgegriffen werden (z.B. Skype-Mediation) sowie auf hybride Mediationsformen wie Co-Mediation oder Shuttle-Mediation.  

Was kostet eine Mediation?  

Dies hängt von den Rahmenbedingungen ab. Mediationen im Rahmen des BG-KKE können von der öffentlichen Hand mitfinanziert werden, auch Mediationen, die den Parteien im Rahmen des Art. 314 ZGB nahegelegt werden, werden je nach Kanton mitfinanziert. In vielen anderen Fällen jedoch müssen die Eltern die Mediationskosten selber übernehmen, wobei die Stundensätze in der Regel wesentlich günstiger sind als Anwaltshonorare. Unabhängige Studien haben nachgewiesen, dass Mediation im Vergleich zum Rechtsweg in den meisten Fällen effizienter und günstiger ist und das Wohl des Kindes besser berücksichtigen kann.