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Weshalb eine schweizerische Anlaufstelle ?

Jedes Jahr streitet in der Schweiz, aber auch weltweit, eine Vielzahl von Eltern darum, wie das Sorge- und wie das Besuchsrecht für die gemeinsamen Kinder ausgestaltet sein soll. Oft als Folge ungelöster Konflikte werden zudem jährlich mehrere dutzend Kinder aus der Schweiz oder in die Schweiz „entführt“. „Entführer/in“ ist in der Regel ein Elternteil.

Eltern berichten, dass sie sich häufig alleine gelassen, in ihrem Anliegen teilweise nicht verstanden und nicht immer ausreichend beraten fühlen. Je langwieriger und aussichtsloser ein Verfahren erscheint, um so mehr Stellen schalten Eltern in ihrer Verzweiflung und in dem Glauben ein, von einer anderen Stelle schneller oder besser Hilfe zu erhalten: Polizei, Kindsschutzbehörden und Jugendämter, Anwältinnen und Anwälte, Beratungsstellen, die Zentrale Behöِrde, Politikerinnen und Politiker und nicht zuletzt die Medien werden mobilisiert. In ihrem unbedingten Wunsch ihr Ziel zu erreichen und ihr Recht durchzusetzen, kann es geschehen, dass Eltern andere, naheliegende Dinge, wie einen geregelten Kontakt mit ihren Kindern, aus dem Auge verlieren.

Auch für Fachleute bedeuten Fälle mit Auslandsbezug zusätzliche Herausforderungen. Sprachliche Probleme, andere, kulturell bedingte Wertvorstellungen und Konfliktlösungsmechanismen, die Geltung internationalen oder ausländischen Rechts, grosse Entfernungen, die bis dahin gängige Lösungsmodelle unmöglich machen – all dies sind Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt.

Ein international koordiniertes Projekt

Für die Betroffenen und Fachleute ist es deshalb sinnvoll, dass in jedem Land eine Anlaufstelle geschaffen wird, wo sie umfassend über alle Aspekte von grenzüberschreitenden Familienkonflikten informiert und mit ihnen Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Dies entspricht auch einer Empfehlung, welche die Haager Konferenz im Rahmen des sogenannten „Malta-Prozesses“ an ihre Mitgliederstaaten gerichtet hat.

In einigen Ländern haben die Zentralen Behörden bei internationalen Kindsentführungen diese Aufgabe einer Anlaufstelle übernommen, in Deutschland wurde die deutsche Zweigstelle des Internationalen Sozialdienstes mit dieser Aufgabe eigens von der deutschen Bundesregierung betraut und hat dafür eigens eine neue Plattform geschaffen: den website www.zank.de.

Die Schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes hat im April 2012 nach Diskussionen mit ihrer deutschen Partnerorganisation beschlossen, ihr diesbezügliches bereits bestehendes Angebot an Dienstleistungen ebenfalls in einer neuen Plattform zu bündeln und über eine eigene Internet-Seite zugänglich zu machen. Aus diesem Projekt entstand die Internet-Plattform www.familienkonflikte.ch.